Kleiner Pickser für mehr Lebensfreude
Ärztin Erika Metzger führt erste Impfungen gegen Covid-19 durch

Ortrand. Die Angst, die besonders ältere Menschen vor einer Infizierung mit dem Coronavirus haben, ist begründet und nachvollziehbar. Hunderte Sterbefälle täglich belegen, dass das Virus die Gesellschaft nach wie vor fest im Griff hält. Wobei die körperlich Schwächsten am stärksten von der Pandemie betroffen sind.

Auch im Altenpflegeheim “Arche Noah” in Ortrand gehören Coronaerkrankungen inzwischen zum Tagesgeschäft. “Wir hatten bereits etliche Fälle zu verzeichnen“, erläutert Heimleiterin Kathrin Dittmann. Umso größer war daher bei ihr, den Mitarbeitern des Hauses und den Bewohnern die Freude, als für sie am 4. Januar die ersten 25 Impfdosen zum Einsatz bereit standen. Erika Metzger vom MVZ ANSB med. Zentrum GmbH, die viele Bewohner des Hauses eine zeitlang als Hausärztin betreute, hatte sich vor wenigen Tagen bereit erklärt, die Impfungen auszuführen. Metzger und deren medizintechnische Assistentin Anke Ott gehören zu jenen Fachkräften, die frühzeitig und freiwillig ihre Bereitschaft erklärten, Covid-Impfungen durchzuführen. “Das Impfen selbst wird in gewohnter Weise ausgeführt. Die damit verbundenen Vorbereitungen und der bürokratische Aufwand jedoch unterscheiden sich deutlich von anderen Impfungen, etwa der Grippeschutzimpfung”, sagt sie.

Neben einem Patientengespräch im Vorfeld und der ausführlichen Dokumentation des Vorgangs ist es in erster Linie die Aufbereitung des Impfstoffs, welche den Unterschied macht. Comirnaty, so der Name des Medikaments, muss vor dem Einsatz mit 1,8 Milliliter einer 0,9 prozentigen Natriumclorid-Injektionslösung verdünnt und in Spritzen aufgezogen werden, erläuterte die Internistin und Notfallmedizinerin. Pro Fläschchen ergeben sich so fünf Spritzen, von denen jede 0,3 Milliliter fertigen Impfstoff enthält.
Auch die Lagerung des Medikaments ist durch den Hersteller BioNTech genau geregelt. Die Fläschchen werden gefroren gelagert sowie angeliefert und müssen vor dem Verdünnen aufgetaut werden, verdeutlicht eine Handlungsanweisung an die Ärzte.

Um den gesamten Impfvorgang möglichst reibungslos und schnell über die Bühne zu bringen, teilte Metzger die zur Verfügung stehenden Hilfskräfte, Mitarbeiter des Altenpflegeheimes und des DRK, in kleine Gruppen ein. Während die einen das Vorgespräch führten, kümmerten sich andere um die Dokumentation. Die eigentliche Impfung wurde von Erika Metzger vorgenommen.

“Es gab Bewohner, die uns mit großer Dankbarkeit auf ihren Zimmern begrüßten. Für sie alle ist die Impfung ein echter Hoffnungsschimmer in dunkler Zeit”, freute sich die Medizinerin. Um die gewünschte Immunisierung zu erreichen, gilt es das Prozedere in 21 Tagen noch einmal zu wiederholen. Bis dahin sollte sich auch die Verfügbarkeit des Impfstoffs langsam normalisieren, sodass nach und nach alle 55 stationär untergebrachten Heimbewohner und die sechs Kurzzeitpflegepatienten des Heimes gegen das Virus geimpft werden können.

Beitrag und Fotos: Sven Gückel